Ein überragendes Halbfinale bringt Annika Roloff (Zweite von rechts, links daneben die derzeit Weltbeste, Pamela Dutkiewicz aus Wattenscheid) in Leipzig die direkte Finalteilnahme über 60 Meter Hürden.

Holzminden. Sie träumte vom Finale über 60 Meter Hürden, hielt es aber selbst nicht für realistisch. Am Ende machte Annika Roloff ihren Traum wahr und stürmte in einem überragenden Halbfinallauf in der Arena Leipzig bei den Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften doch ins Feld der acht besten deutschen Hürdensprinterinnen.

Dass die MTVerin doch nicht zum Dreisprung-Wettbewerb der deutschen Meisterschaften zugelassen wurde – ihr fehlten ganze drei Zentimeter – erwies sich im Nachhinein als Vorteil, da so alle Kraft für den Lauf über 60 Meter Hürden gespart werden konnte. Annika Roloff stand im dritten Halbfinale, neben ihr auf der Bahn die derzeit weltbeste Hürdensprinterin, Pamela Dutkiewicz aus Wattenscheid. Bereits in den beiden vorangegangenen Läufen hatte es reihenweise Bestzeiten gegeben, so dass Annikas Aufgabe nicht leichter wurde. Wollte sie direkt ins Finale einziehen, musste sie in ihrem Rennen mindestens Zweite werden; als eine der beiden Zeitschnellsten, die dann ebenfalls am Endlauf teilnehmen durften, war eine Zeit von 8,38 Sekunden nötig. Zur Erinnerung: erst kürzlich hatte die MTVerin bei den norddeutschen Meisterschaften über eine bis dahin nicht für möglich gehaltene Bestzeit von 8,49 Sekunden gejubelt. Aber noch einmal mehr als eine volle Zehntel schneller? Es schien kaum möglich.

Nach einem Superstart lag Annika mit „PamBam“, wie die Wattenscheiderin wegen ihrer explosiv-kraftvollen Art oft genannt wird, noch an der ersten Hürde gleichauf. Doch während Pamela Dutkiewicz danach unaufhaltsam davonzog, lieferte die MTVerin ein geradezu entfesseltes Rennen ab. Schon an der letzten Hürde war klar, dass sie den zweiten Platz würde verteidigen können, und im Ziel ließ sie dann – wie in „alten“ Stabhochsprung-Zeiten – ihrer Freude über den direkten Finaleinzug freien Lauf. Geradezu unfassbar war ihre Zeit: 8,37 Sekunden – eine unglaubliche Steigerung auf einer derart kurzen Sprintstrecke. Die Bestätigung folgte auf der viel zu kleinen Videowand der Arena auf dem Fuß: Der Traum vom Finale wahr Wirklichkeit.

Im Endlauf setzte Annika auf volles Risiko, aber ein salomonisch mit gelber Karte geahndeter Fast-Fehlstart ließ sie beim zweiten Versuch vorsichtiger zu Werke gehen, um eine drohende Disqualifikation zu vermeiden. Doch damit war sie ihrer sonstigen Stärke beraubt, so dass sie im Ziel auf dem siebten Platz einkam, immerhin mit 8,46 Sekunden noch unter ihrer Bestzeit vor Leipzig blieb. Dieses Resultat störte die Holzmindenerin, die mit ihrer Vorlaufzeit Fünfte geworden wäre, kaum: Sie hatte ihr Ziel mit der Finalteilnahme erreicht, war mehr als zufrieden und erntete danach Lob und Anerkennung von allen Seiten. Bleibt noch zu erwähnen, dass Pamela Dutkiewicz ihre führende Position bestätigte und sich in 7,90 Sekunden den Titel holte. (ro)